Klärbecken

Schon mal überlegt, was wir alles so "runterspülen"? Da wäre es doch interessant, einen Tag lang eine Liste zu führen. All das, was wir durch den Ausguss am Waschbecken, durch die Toilette oder von elektrischen Haushaltsgeräten wie Waschmaschinen oder Geschirrspülern in den Abwasserkanal schicken, nennt man Haushaltsabwässer. Aber auch in der Industrie fällt eine Menge Abwasser an, eben Industrieabwasser. Und es gibt noch eine dritte Sorte von Abwasser, und das ist - kaum zu glauben - das Regenwasser. Überall, wo es nicht versickern kann, wird es in die Kanalisation abgeleitet. Ein ausgedehntes Abwasserkanalsystem sorgt dafür, dass die Abwässer zur Kläranlage transportiert werden. 30 Prozent der im Abwasser enthaltenen Stoffe (Schmutzstoffe) sind fest und sichtbar, der Rest sind "unsichtbare", gelöste Schmutzstoffe. Bei der Mischkanalisation werden Schmutz- und Niederschlagswasser gemeinsam abgeleitet. Bei der Trennkanalisation werden zwei Kanalsysteme verlegt. Neben dem Abwasserkanal gibt es einen gesonderten Kanal, in dem das Regenwasser gesammelt und direkt in ein Gewässer eingeleitet wird. Und hier gibt es schon wieder eine Besonderheit in der Emscher-Lippe-Region, die "Köttelbecken". Das sind Abwasserbachläufe (oder auch Schmutzwasserläufe genannt), die ihren Spitznamen nicht zu Unrecht tragen. Allerdings gab es jahrzehntelang keine vertretbare wirtschaftliche und technische Alternative, weil unterirdische Kanäle durch die Bergsenkungen immer wieder abgesunken und beschädigt worden wären. Heute ist es möglich, ein unterirdisches Rohrleitungssystem (Kanalisation) ohne die ständige Gefahr einer Beschädigung anzulegen, denn die Kohlenvorräte sind weitestgehend erschöpft und die Bergsenkungen abgeklungen. Die neuen Abwasserkanäle werden teils in offenen Baugruben, teilweise aber auch unterirdisch verlegt. Riesige Vortriebsmaschinen wühlen sich dabei wie Maulwürfe durch die Erde und schaffen Platz für die Betonröhren. So wird die offene Abwasserführung Schritt für Schritt in den nächsten Jahren verschwinden.



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Zwei Faultürme

In der Kläranlage angelangt, wird das Abwasser zuerst mechanisch gereinigt. Hierzu fließt es zunächst durch die Rechenanlage. Dies ist ungefähr so, als würde man das Wasser durch ein großes Sieb gießen. Kaum vorstellbar, was hier alles hängen bleibt. Die zurückgehaltenen Feststoffe, das sogenannte Rechengut, sind nicht weiter verwertbar und werden deshalb in Müllverbrennungsanlagen entsorgt.
Anschließend durchströmt das Abwasser den Sandfang. Dort setzen sich die schweren Feststoffe - hauptsächlich Sand - am Boden ab. Das sogenannte Sandfanggut wird in Containern gesammelt, recycelt und zum Beispiel im Straßenbau verwendet. Als Nächstes sinken in einem Vorklärbecken auch die restlichen, leichteren Feststoffe im Wasser zu Boden und bilden dort den Vorklärschlamm. Dieser Schlamm wird in Trichter geschoben und zum Faulbehälter weitergeleitet, aber davon später mehr. Fette, Öle und andere leichte Stoffe, die auf der Wasseroberfläche schwimmen, werden abgeschöpft. Mit diesem mechanischen Reinigungsverfahren werden immerhin 20 bis 30 Prozent der im Abwasser befindlichen Schmutzstoffe entfernt.
Anschließend geht es zur biologischen Reinigungsstufe. Diese ist der Natur abgeschaut, der Selbstreinigungskraft der Gewässer: Es sind vor allem die in Bächen, Flüssen und Seen lebenden Winzlinge, Mikroorganismen wie zum Beispiel die Bakterien, die organische Schmutzstoffe im Wasser abbauen und unschädlich machen. Sie nutzen sie einfach als "Nahrung". In den speziellen Belebungsbecken der Kläranlage finden sie dafür optimale Lebensbedingungen und können sich wie die Maden im Speck vermehren. Und so entfernen Millionen von Bakterien die gelösten Schmutzstoffe aus dem Abwasser. Mit diesem biologischen Reinigungsverfahren werden die restlichen 70 bis 80 Prozent der Schmutzstoffe aus dem Abwasser entfernt. Im Nachklärbecken werden der Bakterienschlamm und das geklärte Wasser voneinander getrennt.


Das saubere Wasser kann nun in ein Gewässer fließen. Der größte Teil des Bakterienschlamms wird in das Belebungsbecken zurückgepumpt (Rücklaufschlamm), wo die Mikroorganismen ihre Arbeit erneut aufnehmen. Da sich die Bakterien vermehrt haben, wird der Überschussschlamm zusammen mit dem Schlamm aus der Vorklärung in die Faulbehälter geleitet. "Faul-" hat übrigens nichts mit Faulheit zu tun. Es kommt von dem Wort "Fäulnis", was so viel wie bakterielle Zersetzung bedeutet, denn in den Faulbehältern (sie werden wegen ihres Aussehens auch Faultürme genannt) sorgen wieder Bakterien dafür, dass ein Großteil der organischen Bestandteile im Schlamm in anorganisches, also biologisch nicht mehr aktives Material umgewandelt wird. Das dauert ungefähr drei bis vier Wochen. Aus dem Faulschlamm wird so "ausgefaulter" Klärschlamm, und dabei entsteht auch noch Biogas, das zur Erzeugung von Wärme und elektrischer Energie nutzbar ist. Jetzt bleibt nur noch die Frage: Wohin mit dem Klärschlamm? Da der Klärschlamm wertvolle Pflanzennährstoffe enthält, lässt er sich als Dünger verwenden. Das geht natürlich nur, wenn er frei von Schadstoffen (zum Beispiel Schwermetalle) ist. Deshalb wird er vorher genau untersucht. Der Klärschlamm lässt sich aber auch zur Wärme- und Stromerzeugung nutzen. Dafür wird er entwässert, mit Kohle angereichert und dann zu Brennstoff verarbeitet. So werden wertvolle Rohstoffe wie Gas und Erdöl gespart.


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